Archiv der Kategorie: Bio-Fashion

FASHION REVOLUTION – NICHT IN BANGLADESCH

AM JAHRESTAG DER KATASTROPHE VON RANA PLAZA GEDENKT DIE CLEAN CLOTHES KAMPAGNE DER OPFER UND FORDERT VON DER EU EINE EVALUIERUNG DER HANDELSPRÄFERENZEN MIT BANGLADESCH

Trotz behördlich festgestellter Sicherheitsmängel befanden sich am 24. April 2013 tausende Frauen und Männer in den fünf im Rana Plaza-Gebäude untergebrachten Textilfabriken und nähten T-Shirts, Hosen und Jacken für den Export nach Europa und in die USA. Kurz vor neun Uhr stürzte das Gebäude in Savar, in der Nähe von Bangladeschs Hauptstadt Dhaka, ein. Über 1.100 Menschen starben. „Rana Plaza hat der Welt gezeigt, was die Kosten der Billig-Produktion von Bekleidung sind”, so Gertrude Klaffenböck von der Clean Clothes Kampagne.

Mehr Sicherheit für die ArbeiterInnen
Als Reaktion auf die Tragödie von Rana Plaza unterzeichneten über 200 europäische und US-amerikanische Bekleidungsunternehmen ein Abkommen (Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh) um Sicherheitsmängel in Zuliefer-Fabriken in Bangladesch systematisch zu beheben. Darunter ein österreichisches Unternehmen „Fashion Team”, dessen Beitragszahlung ausständig ist. Über 87.000 Sicherheitsmängel wurden bei Überprüfungen von rund 1.600 Fabriken festgestellt. 75 Prozent der gemeldeten Mängel wurden bis dato behoben.

Handelspräferenzen – Industrie profitiert, Arbeitskraft verliert
Die EU ist der wichtigste Exportmarkt für Bangladesch. 90 Prozent der exportierten Ware sind Textilien. Durch Präferenzen in Handelsabkommen wie „Everything But Arms“ können bangladeschische Waren zollfrei und ohne Mengenbeschränkung in den EU-Binnenmarkt eingeführt werden. Im Gegenzug verpflichtet das Abkommen die Regierung Bangladeschs die Einhaltung von Arbeits- und Gewerkschaftsrechten sicherzustellen und zu fördern. Dennoch wurde beispielsweise im Dezember 2016 eine gewaltfreie Demonstration für höhere Löhne – der monatliche Mindestlohn beträgt rund 61 Euro – in einem Industrieviertel in Ashulia, Bangladesch, niedergeschlagen. Tausende ArbeiterInnen wurden entlassen, Gewerkschafts-AktivistInnen inhaftiert und Gewerkschafts-Büros geschlossen.

„Das Vorgehen der Regierung gegen die demonstrierenden Arbeiterinnen und Arbeiter zeigt deutlich, dass sich Bangladesch nicht an die Vereinbarung hält. Die Bekleidungsindustrie hat stark von Präferenzen in Handelsabkommen profitiert. Die Situation für die Arbeiterinnen und Arbeiter hat sich nicht gebessert”, kritisiert Klaffenböck. Die Clean Clothes Kampagne fordert, dass nur jene Länder begünstigt werden, die ihre ArbeiterInnen vor Ausbeutung schützen und die Einhaltung von Arbeitsrechten sicherstellen. Deswegen ruft die Clean Clothes Kampagne die EU-Kommission auf, eine offizielle Untersuchung einzuleiten, die feststellen soll, ob gegen das Handelsabkommen verstoßen wurde und ob Bangladesch sich für den präferierten Marktzugang qualifiziert oder die Begünstigungen ausgesetzt werden müssen.

Fashion Revolution Week
Von 24. bis 30. April ist Fashion Revolution Week. Im Gedenken an Rana Plaza sind KonsumentInnen, DesignerInnen, ProduzentInnen und HändlerInnen eingeladen, sich mit der Frage „Who made my clothes?“ auseinanderzusetzen. Auf allen fünf Kontinenten finden in dieser Woche Aktionen statt, die die Herkunft von Kleidung kritisch beleuchten. Die Frage „Who made your clothes?“ soll öffentlich gestellt werden, indem Kleidungsstücke von außen nach innen gedreht getragen werden und so das Label ‚Made in …’ sichtbar wird. Bei einer Straßenaktion in Graz am 28. April 2017 kommt ein überdimensionales T-Shirt mit aufgenähten Taschen zum Einsatz. PassantInnen finden in den Taschen Gegenstände, die sie über die Herkunft des T-Shirts und die Probleme in der Produktionskette informieren. Über einen QR-Code gelangen sie direkt zu einem Blogbeitrag mit weiterführenden Informationen und alternativen Handlungsmöglichkeiten

Wear Fair & mehr: die nachhaltige Modemesse in Linz

Maria Wimmer wird die Erfolgsgeschichte einer der namhaftesten öko-fairen Modemessen Europas weiterschreiben – von 3. bis 5. Oktober 2014 in der Linzer Tabakfabrik.

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt!“, das ist nicht nur Ghandis Motto, sondern auch das der 41jährigen Oberösterreicherin und neuen „WearFair & mehr“ Geschäftsführerin Maria Wimmer, die bis vor kurzem als stellvertretende Landessprecherin tätig war.

Die Oberösterreicherin leitet die Messe für nachhaltige Mode und Lebensstil, die im letzten Jahr rund 150 AusstellerInnen (davon 50 aus Oberösterreich) und über 10.000 BesucherInnen in der Linzer Tabakfabrik begrüßen durfte, und vor allem für ökologische, faire und nachhaltige Mode steht. Aber auch für andere Lebensbereiche, von Ernährung über Kosmetik, ethische Geldanlagen, Tourismus bis hin zu Mobilität kann jede/r sich vor Ort Impulse für einen öko-fairen Alltag holen. Maria Wimmer zu ihrer neuen Aufgabe: „Die WearFair & mehr ist eine hervorragende Plattform, um Denkprozesse über ein faires Miteinander praktisch umzusetzen. Es freut mich sehr, mich künftig für dieses großartige Projekt einzusetzen und noch mehr Menschen – ob AusstellerInnen oder BesucherInnen – für ökofaire Mode und einen nachhaltigen Lebensstil zu begeistern.“

Maria Wimmer führte jahrelang erfolgreich ihr eigenes Dekorationsunternehmen, bevor sie vor fünf Jahren begann, sich für die Gesellschaft zu engagieren, in der sie lebte – als Gemeinderätin und Landessprecherin. Außerdem absolvierte sie das Masterstudium für Interkulturelle Kompetenzen an der FH Krems. Heute kann die zweifache Mutter ihre Liebe zum Gestalten von Produktpräsentationen für die WearFair & mehr wieder aufleben lassen!

Die Organisationen hinter der WearFair & mehr: GLOBAL 2000, Klimabündnis und Südwind 
Hinter der WearFair & mehr steht übrigens die gute Zusammenarbeit von drei NGOs – GLOBAL 2000, Klimabündnis und Südwind. Auch der Vorstand der WearFair & mehr, der sich über den Erfolg der Messe jedes Jahr mehr freuen darf, wurde heuer neu zusammengesetzt: Mit dabei sind Peter Molnar, Norbert Rainer und Ulrike Singer vom Klimabündnis, Herwig Adam, Harald Wildfellner und Stefan Robbrecht-Roller von Südwind sowie Martin Aschauer, Rene Fischer und Reinhard Uhrig von der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000.

www.wearfair.at